Von der Welt des Verborgenen: Fünf Lehren über die Dschinn im Qurân - Teil 2

07/08/2018| IslamWeb

Lehre 3: Ihr Benehmen gegenüber Allâh dem Allerhöchsten

Die Dschinn sagten weiter: „Und wir wissen doch nicht, ob für diejenigen auf der Erde Schlechtes gewollt wird oder ob ihr Herr sie zur Besonnenheit (führen) will.“ (Sûra 72:10). In diesem Vers beziehen sie sich auf die Tatsache, dass sie den Versammlungen der Engel in den Himmeln nicht zuhören können, wie sie dies früher taten. Deshalb sagen sie hier, dass sie nicht wissen, was ihr Herr damit beabsichtigt. Das Schöne hierbei ist, dass sie die Passivform verwenden, wenn sie das Schlechte erwähnen, und die Aktivform, wenn sie die Führung zu Besonnenheit durch Allâh den Hocherhabenen erwähnen. Mit anderen Worten: Sie schreiben Allâh dem Hocherhabenen nichts Schlechtes zu. Vielmehr schreiben sie Ihm Gutes zu, obwohl alles von Ihm stammt. Dies zeigt ihr gutes Denken von Allâh dem Hocherhabenen und ihr Benehmen gegenüber Allâh.

Ibn Kathîr sagt in seiner Exegese, dass die Dschinn den Grund wissen wollten, warum sie nicht mehr in den Himmeln sitzen und den Engeln zuhören können. Deshalb zogen sie aus, auf der Suche nach einer Antwort und fanden den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Sie begriffen, dass er der Grund war. Deshalb hörten sie ihm zu und fügten sich.

Diese Dschinn dachten auch gut von den Menschen und sie konnten sich nicht vorstellen, dass jemand Allâh den Hocherhabenen anlügen würde. Sie sagten: „Und wir meinten, dass weder die Menschen noch die Dschinn gegen Allâh jemals eine Lüge sagen würden.“ (Sûra 72:5). Die Dschinn geben dies als Grund an, warum sie dem Satan folgten. Sie konnten nicht begreifen, dass jemand Allâh den Hocherhabenen anlügen würde. Deshalb folgten sie dem Satan, im Glauben, dass das, was er sagte, wahr ist. Als sie den Qurân hörten, wussten sie sofort, dass der Satan ein Lügner war. Hieran erkennen wir, dass sich diese Dschinn, obwohl sie Heiden waren, sich nicht vorstellen konnten, dass jemand Allâh den Hocherhabenen anlügt.

Die Dschinn waren außerdem demütig und kannten ihren Status als Allâh dem Hocherhabenen anbetend Dienende. Sie sagten: „Und wir meinten, dass wir uns auf der Erde Allâh niemals entziehen können und dass wir uns Ihm niemals durch Flucht entziehen können.“ (Sûra 72:12). Sie wussten, dass Allâh der Hocherhabene über sie herrscht und dass sie Ihm keineswegs schaden können. Vergleicht diese Demut mit dem Hochmut des Pharao! Diese Dschinn erkannten sofort Allâhs Kraft und Macht, nachdem sie den Qurân gehört hatten.

Lehre 4: Ihr Glaubens- und Monotheismus-Verständnis

Umgehend, nachdem sie den Qurân als wunderbar und zu Besonnenheit leitend beschrieben haben, sagen sie: „… so haben wir an ihn geglaubt, …“ (Sûra 72:2). Das „fa-âmannâ bih“ bedeutet „als Folge“, was zeigt, dass sie umgehend glaubten. Sie sagen weiter: „… wir werden unserem Herrn niemanden beigesellen.“ (Sûra 72:2). Dies ist ein Beweis dafür, dass sie vorher Götzendiener waren, und dass man, wenn man den Glauben verinnerlicht, Allâh dem Hocherhabenen keine Partner zuschreiben kann.

Die Dschinn verstanden die Botschaft des Qurân, während wir Menschen uns auf zweitrangige Angelegenheiten konzentrieren. Der Kern des Qurân ist der Tauhîd (alleinige Verehrung Allâhs) und die Dschinn bekannten sich umgehend dazu.

Sie verstanden auch: „Und erhaben ist die Größe unseres Herrn. Er hat sich weder eine Gefährtin noch Kinder genommen.“ (Sûra 72:3). Allâh ist über alles erhaben, der Allerhöchste, der Majestätische und der Edle. Daher ist es nicht angemessen für Ihn, einen Sohn oder eine Gefährtin zu haben. Es ist nicht angemessen für Allâh den Hocherhabenen, da Er vollkommen ist. Eine Frau oder ein Kind zu haben, würde Ihn mangelbehaftet machen.

Die Dschinn sagen auch: „Und es pflegte der Tor unter uns etwas Abwegiges gegen Allâh zu sagen.“ (Sûra 72:4). Sie nannten jene, die den Glauben nicht verstanden „safîh“, was jemanden beschreibt, der nicht intelligent ist und nicht den geringsten Verstand besitzt. Mudschâhid sagte, dass der „safîh“ der Satan ist, da er sie dazu aufruft, Allâh Partner beizugesellen.

Lehre 5: Ihr einladender Aufruf zum Islâm für ihr Volk

Sûra „Die Dschinn“ behandelt hauptsächlich die Reaktion der Dschinn auf den Qurân. Sûra „Al-Ahqâf“ behandelt jedoch, wie die Dschinn ihr Volk einladend zum Islâm aufriefen.

Allâhs der Hocherhabene sagt: „Und (gedenke,) als Wir eine kleinere Schar Dschinn veranlassten, sich zu dir zu begeben und dem Qurân zuzuhören. Als sie zu ihm eingefunden hatten, sagten sie: »Horcht hin!« Als er dann zum Ende kam, kehrten sie zu ihrem Volk zurück, um sie zu warnen.“ (Sûra 46:29). Sie riefen umgehend einladend zum Islâm auf, nachdem sie die Rechtleitung gehört hatten! Wie oft rufen wir einladend zum Islâm auf? Viele unter uns kennen den Islâm bereits ihr ganzes Leben!

Wir können viele Lehren aus ihren Taktiken zum einladenden Aufruf ziehen:

Die Art und Weise, wie sie ihr Volk einladend rufen. „Sie sagten: »O unser Volk, wir haben ein Buch gehört, das nach Mûsâ (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, das zu bestätigen, was vor ihm war, und das zur Wahrheit und zu einem geraden Weg leitet.“ (Sûra 46:30). Sie sagen „unser Volk“ – sie nannten sie nicht Ungläubige oder Irregeleitete oder distanzierten sich von ihnen. Viele Muslime heutzutage machen den schwerwiegenden Fehler, ihre Familien und Freunde anzuprangern, wohingegen diese Dschinn ihr Volk daran erinnerten, dass sie auch zu ihnen gehören und dass sie miteinander verbunden sind.

Sie bewiesen Glaubwürdigkeit. „Sie sagten: »O unser Volk, wir haben ein Buch gehört, das nach Mûsâ (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, …‘“ (Sûra 46:30). Sie sagten „wir haben … gehört“, was ihrem Volk zeigte, dass dies kein Gerücht oder Märchen war, sondern dass sie anwesend waren und dem Qurân zugehört hatten.

Sie beschrieben und priesen den Qurân: „… und das zur Wahrheit und zu einem geraden Weg leitet.“ (Sûra 46:30). Bevor sie ihr Volk dazu aufriefen zu glauben, beschrieben sie zunächst auf schöne Weise, was sie gehört hatten.

Sie riefen ihr Volk zum Glauben auf und erklärten ihnen die Vorteile des Glaubens: „O unser Volk, erhört Allâhs Rufer und glaubt an ihn, so vergibt Er euch (etwas) von euren Sünden und gewährt euch Schutz vor schmerzhafter Strafe.“ (Sûra 46:31).

Sie teilten ihnen die Folgen mit, falls sie die Wahrheit nicht annähmen. „Wer Allâhs Rufer nicht erhört, wird sich (Ihm) auf der Erde doch nicht entziehen können, und er hat außer Ihm keine Schutzherren. Jene befinden sich in deutlichem Irrtum.“ (Sûra 46:32). Nachdem sie ihr Volk zum Glauben aufgerufen und ihnen die Vorteile beschrieben hatten, die dadurch entstehen, warnten sie sie auch vor den Folgen, nicht zuzuhören. Dies ist die beste Art, einladend zum Islâm aufzurufen, da der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) als ein „baschîr“ (Verkünder froher Botschaft) und ein „nadhîr“ (Warner) entsandt wurde. Unser einladender Aufruf zum Islâm in der heutigen Zeit ist nicht wirksam, da wir manchmal unsere Religion "mit Zucker überziehen" und somit unser einladender Aufruf zum Islâm sehr schematisch und rechtfertigend wirkt. Die Dschinn erwähnen hier auch, dass derjenige, der nicht zustimmt, Allâh dem Hocherhabenen keineswegs schadet. Zu glauben ist einzig zu seinem Vorteil und nicht zu glauben wird einzig ihm schaden.

Ihre Beschreibung des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): Sie nennen den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) „… Allâhs Rufer …“ (Sûra 46:32), um zu zeigen, dass ihm zu folgen einen zu Allâh dem Hocherhabenen führt. Und um zudem zu zeigen, dass er nicht andere aufruft, um selbst davon zu profitieren, sondern aus dem einzigen Grund, ihnen den geraden Weg zu zeigen.

Aus diesen fünf Lehren lernen wir, dass die Dschinn keine Wesen sind, die Menschen ausschließlich besessen machen und terrorisieren, sondern dass es genauso wie bei den Menschen Gläubige und Glaubensverweigerer unter ihnen gibt. Allâh der Allerhöchste hebt die erstaunlichen Charaktereigenschaften dieser Dschinn hervor und zeigt uns, dass wir, obwohl wir das geehrtere Geschöpf sind, viele Lektionen von ihnen lernen können.

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